Frieden in die Herzen der Menschen bringen

WALBECK. „Die letzten zehn Jahre waren nicht immer ganz einfach, aber sie waren mit wunderbarer Arbeit ausgefüllt“, sagt Karla Paternus. Damit blickt sie als Leiterin zurück auf das erste Jahrzehnt des Hospiz-Hauses Brücke Friedel in Walbeck. Am 7. April feiert die Einrichtung ihr Jubiläum.


Es waren persönliche Erfahrungen, die Karla Paternus vor 13 Jahren den Verein „Menschenwürdig leben und sterben Brücke Friedel“ gründen ließen. Ihr Anliegen war es, unheilbar kranken Menschen Frieden und Freude auf ihrem letzten Stück Lebensweg zu geben. Zu diesem Zweck suchte die Heilpraktikerin und Psychotherapeutin aus Xanten, die seit früher Jugend Erfahrung hat in der Begleitung von Menschen in den Tod, ein passendes Haus. Sie wollte eine Herberge, ein Gästehaus im wörtlichen Sinne von „Hospiz“ einrichten. Im April 2000 eröffnete sie dann das Haus in Walbeck an der Hochstraße 8. Und mit ihm schaffte sie eine „Brücke von Mensch zu Mensch, aber auch vom Irdischen zum Göttlichen“, wie sie sagt.


Das Hospiz-Haus ist für Karla Paternus, die Gäste und die Angehörigen vor allem ein Ort des Friedens. Die Menschen, die zum Sterben in das Haus kommen, erhalten hier palliative Pflege und Schmerztherapie, aber auch einfühlsame Gespräche und eine liebevolle Versorgung. Karla Paternus teilt die Erfahrungen der Angehörigen, die der tödlichen Krankheiten eines geliebten Menschen oft hilfslos gegenüber stehen. Sie kann sich gut in die Menschen einfühlen und dadurch im richtigen Moment Hilfe leisten. „Unser Ziel ist es, Frieden in die Herzen der Menschen zu bringen, die hier ein- und ausgehen“, sagt sie. Wer jedoch eine ausschließlich trauervolle Atmosphäre in dem Haus erwartet, wird positiv überrascht. „Dies ist kein Totenhaus. Denn hier geht es zunächst um das Leben und die Lebensbegleitung“, bestätigt Marlene Schridde, Schriftführerin des Vereins und ehrenamtliche Mitarbeiterin. Sie kann aus eigener Erfahrung mit zwei Angehörigen, die im Hospiz-Haus lebten und starben, berichten: „Es wird hier auch sehr viel gelacht. Man feiert das Leben, so lange es geht.“


Wenn ein Gast stirbt, läutet ihm die kleine Glocke zum letzten Geleit. Der Verstorbene wird noch einmal gewaschen, man zieht ihm seine Lieblingskleidung an. Das Zimmer wird liebevoll geschmückt und Kerzen brennen. „Denn der achtungsvolle Umgang mit unseren Gästen dauert von seiner ersten bis zu seiner letzten Minute in diesem Haus“, sagt Karla Paternus. Elf Gäste kann das Hospiz beherbergen. Die Betten sind immer voll belegt. 21 festangestellte und 15 ehrenamtliche Mitarbeiter kümmern sich um die Gäste und ihre Angehörigen. Dazu zählen Palliativ-Pflegefachkräfte, Hauswirtschafter, Bürokräfte, psychosoziale Begleitung, Gärtner und Hausmeister. Drei Hausärzte und Palliativmediziner kommen ins Haus. Karla Paternus: „Ich bin Dr. Horlemann, Dr. Schulz und Dr. Kleinwalbeck sehr dankbar, dass sie nach dem Tod von Dr. Müller die Versorgung seiner Patienten sofort übernommen haben.“ Auch ehrenamtliche, ambulante Sterbebegleitung bietet der Verein „Menschenwürdig leben und sterben Brücke Friedel“ an.

Die Kosten für die Unterbringung im Hospiz übernehmen zu 90 Prozent die Kranken- und Pflegekassen. Zehn Prozent muss der Verein durch Spenden erwirtschaften. Das sind 7.000 Euro monatlich. Daher ist der Verein immer auf Unterstützung angewiesen. Mit Blick in die Zukunft hofft Karla Paternus: „Dass wir noch viele Jahrzehnte hier weitermachen können.“ Und vielleicht könne sie eines Tages, wenn genug Geld gespendet würde, das Haus sogar kaufen. Das Jubiläum feiern die Menschen im Hospiz-Haus im geschlossenen Kreis. Weitere Infos unter www.hospizhaus.de.

Nina Meyer




 
 





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